Die Selbstständigkeit in der Erlebnispädagogik
Passt das zusammen?

Die Selbständigkeit war schon immer dein Ding und du interessierst dich für den Bereich der Erlebnispädagogik? Vielleicht befindest du dich in einer Ausbildung? Einem Studium? Oder du arbeitest sogar schon in der Erlebnispädagogik? Wie auch immer – eine Selbstständigkeit ist immer ein attraktives Ziel und kann viele Vorteile mit sich bringen.

Wie funktioniert die Selbstständigkeit in der Erlebnispädagogik?

Visionssuche und Erlebnispädagogik

Die Selbstständigkeit – eine einschüchternde Freiheit

Sein eigener Chef sein, das wollen viele. Frei von Vorgesetzten, freie Zeiteinteilung und eigene Ideen verwirklichen. Das Symbol der Freiheit gehört einfach zur Selbstständigkeit dazu. Zu schön, um wahr zu sein? Ja und nein zugleich.

Selbstständigkeit bedeutet zwar, dass man frei ist, das zu tun, was man will. Doch ebendas bedeutet auch ein hohes Maß an Verantwortung und Risiken. Du selbst bist für deinen Gewinn verantwortlich – wo keine Aufträge, da kein Geld. Es gibt keinen bezahlten Urlaub. Für Krankenkasse und Rentenversicherung musst du selbst aufkommen. Und wenn du krank bist, bist du auf deine Rücklagen angewiesen. Also kein festes Gehalt, dass du auch im Krankheitsfall bekommst. Die enorme Freiheit geht also mit einem hohen Risiko einher.

Zudem kommen viele neue Aufgaben auf dich als Selbständige(r) zu. Dinge, die Angestellten erspart bleiben. Steuern, Versicherungen und Rücklagen. Alles ist neu. Als ehemaliger Angestellter bist du anfangs wie eine im Dschungel ausgesetzte Hauskatze. Es wird einige Zeit brauchen, um dich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Doch die Vorteile, die dich an der Lichtung erwarten, sind umso größer – kurz gesagt: Du kannst tun, was du willst. Wie, wo und wann du willst. Es ist pure Verantwortung, aber eben auch Freiheit. Doch wie sieht das speziell im Bereich der Erlebnispädagogik aus? Lohnt sich das?

Selbstständigkeit in der Erlebnispädagogik

Zurück in die Natur, frei vom strikten Alltag sein. Das ist das Ziel der Erlebnispädagogik. Und was durch diesen Beruf vermittelt wird, gilt auch für die Erlebnispädagogen(-innen) selber. Sie sind Freigeister. Daher passt die Selbstständigkeit wie angegossen – kein 9 to 5, keine festgelegten Aufgaben, keine Vorgesetzten.

Flow Momente sind kostbar

Was macht ein(e) selbstständige(r) Erlebnispädagoge(in)?

Die Erlebnispädagogik. Sie ist ein Fachgebiet der Pädagogik und zielt darauf ab, die Persönlichkeit eines Menschen durch Erlebnisse weiterzuentwickeln. Als Trainer setzt du genau das in die Tat um. Du sorgst dafür, dass es dem Menschen gut geht und er diese positiven Erlebnisse in den Alltag integriert. Also Ausflüge, Wandern und Kanufahren und so’n Zeug? Nein. Es ist viel mehr als das. Es geht nicht um das bloße Erleben von Dingen, sondern darum, diese Erlebnisse auch zu nutzen. Für sich selber und für den Kontakt mit anderen Menschen. Durch dich als Erlebnispädagoge bekommt dein Kunde vermittelt, wie er die Essenzen dieser Erlebnisse nutzt. Er entwickelt durch dich Überlebensinstinkte. Er lernt, wie er sich selber in der Natur zurechtfinden kann. Und bekommt dadurch Vertrauen in seinen Körper und somit auch in sich selbst. Und das wichtigste dabei: das alles kann er in seinen Alltag einbauen. Denn dein Ziel als Erlebnispädagoge(-in) ist es, dich selber überflüssig zu machen. Aber keine Angst, da draußen gibt es noch viele andere, die du „erlebnispädagogisieren“ kannst…

Wer sind meine Kunden? Wer sind meine Auftraggeber?

Schulen, Kitas, Firmen, Ferienlager und Otto-Normal-Verbraucher – sie alle gehören zu deinem Kundenstamm. Und die Nachfrage ist da. So veranstalten auch heute noch viele Schulen Klassenfahrten ohne Erlebnispädagogik. Klingt verrückt, ist aber so. Die meisten Erlebnispädagogen sind selbstständig, arbeiten aber für Auftraggeber(-innen), die die Kontakte und Ressourcen zur Verfügung stellen. Bürokratie, Landschulheime, Busfahrten und was man sonst so braucht. Dadurch bist du keine Nadel im Heuhaufen und musst dir nicht alles selbst erarbeiten.

Hier sehen Sie mehr als 33 gute Gründe für N.E.W.

Es gibt viele kleine Unternehmen, die Erlebnispädagogik anbieten und selbstständige Trainer(-innen) einsetzen. Ein Beispiel: Eine Schule will ein Landschulheim für eine Schulklasse anbieten. Hierfür kontaktiert sie eine Firma, nennen wir sie mal N.E.W.. Sie vermittelt unter Anderem ein Landschulheim, ein Busfahrtunternehmen und – am wichtigsten – sie plant die Erlebnisse. Und da kommst du ins Spiel: der Erlebnispädagoge.

Du bist also Selbstständig, brauchst dich aber um vieles nicht kümmern. Dadurch kannst du dich auf deine Leidenschaft konzentrieren: die Erlebnispädagogik. Nichtsdestotrotz gibt es einige mehr oder weniger wichtige Aspekte der Selbstständigkeit, die unabdingbar für dich sind.

In der Selbstständigkeit gibt es viele bürokratische Dinge zu beachten.

Über die Selbstständigkeit.

Als Erlebnispädagoge bist du freiberuflich unterwegs. Das ist das selbe wie Selbstständigkeit? Falsch gedacht – jetzt wird es trocken. Die freiberufliche Tätigkeit ist ein Teil der Selbstständigkeit. Als Freiberufler erwarten dich viele Vorteile in Vergleich zur Selbstständigkeit. Du ersparst dir Dinge wie Gewerbeanmeldung, Handelskammermitgliedschaft und doppelte Buchführung (eine einfache Buchführung reicht). Also im Klartext: Du sparst Zeit und Geld. Du genießt eine größere Freiheit als bei der Festanstellung und sparst dir den Aufwand, den klassische Selbstständige haben. Warum arbeitet dann nicht jeder als Freiberufler? Weil man sich das nicht aussuchen kann. Freie Berufe sind strikt festgelegt. So kannst du zum Beispiel keinen Onlineshop gründen und damit freiberuflich arbeiten. Als Künstler aber schon. Des Weiteren gehören auch erzieherische und unterrichtende Tätigkeiten dazu, sowie Psychologen, Pädagogen und Sozialpädagogen. Als Erlebnispädagoge passt du mit Sicherheit in eines dieser Felder und kannst somit als Freiberufler arbeiten – yes!

Eine wichtige Frage bleibt aber noch: was ist der beste Weg, um als Erlebnispädagoge(-in) in die Selbstständigkeit (besser: „Freiberuflichkeit“) einzusteigen?

Wie erreiche ich die Selbstständigkeit in der Erlebnispädagogik?

Brauche ich als Erlebnispädagoge(-in) eine Ausbildung?

Im Prinzip: Nein. Du braucht rechtlich gesehen weder Ausbildung, noch Studium. Doch als Trainer ist es dein Ziel, deinen Kunden das bestmögliche Angebot zu liefern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele der oben erwähnten Firmen bieten spezielle Ausbildungen in der Erlebnispädagogik an. Auch ein Studium oder Praktika können sich anbieten.

„Ein Gramm Erfahrung ist besser als eine Tonne Theorie.“

Ein Zitat von John Dewey, die wohl wichtigste Persönlichkeit im Bereich der Reformpädagogik. Auch das Modell „learning by doing“ wurde von ihm sehr geprägt. Was eigentlich dafür steht, was die Erlebnispädagogik vermitteln soll, kann auch auf den Ausbildungsweg von angehenden Erlebnispädagogen selbst angewandt werden.

Sommerkurs Erlebnispädagogik

Learning by doing. Als Selbstständiger kannst du schnell in die Falle der Perfektion geraten. Du willst besser und besser werden und gleichzeitig traust du dich nicht, einfach mal loszulegen. „Ich bin zu jung“, „ich bin zu alt“, „ich bin zu unerfahren“, „ich bin nicht ausgebildet genug“, und und und. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er verlässt nur ungerne die Komfortzone.

Ausbildungen sind gut und wichtig, keine Frage. Du musst ein fundiertes Wissen über die Materie haben. Aber gleichzeitig musst du auch erkennen, wann du bereit bist. Werde kein Ausbildungsjunkie. Tendiere nicht dazu, einen Schein nach dem anderen zu sammeln. Du musst erkennen, dass der beste Weg, zu lernen, das Tun ist. Learning by doing. Indem du ins kalte Wasser springst und einfach loslegst. Wenn du nie anfängst, nie ins kalte Wasser springst, wird dir letztendlich die Ausbildung auch nicht weiterhelfen. Leg los!

Wie ist der Markt?

Wie schauen Markt und Zukunftschancen in der Erlebnispädagogik aus?

Die Nachfrage an Erlebnispädagogen hat in den vergangen Jahren immer weiter zugenommen. Da sich die Gesellschaft immer weiter von der Natur, von richtigen Erlebnissen, distanziert, sieht es auf dem Markt gut aus. Besonders bei Kindern und Jugendlichen steigt die Nachfrage (vorwiegend der Eltern natürlich…). Filme, Computerspiele, Handy, Tablet und co. Sie alle sorgen dafür, dass die Couch der beliebteste Ort ist. In Computerspielen kann man mittlerweile jedes mögliche „Erlebnis“ virtuell simulieren. Dass das nicht gut ist, weißt jeder. Es muss ausgeglichen werden. Daher setzen immer mehr Eltern und Erzieher auf die Methoden der Erlebnispädagogik. Und dieser Trend bringt mit sich, dass der Bedarf an Erlebnispädagogen weiter ansteigt.

COVID-19 und Erlebnispädagogik.

Durch die COVID-19-Pandemie wird die Gesellschaft lahmgelegt. Egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene.

Homeoffice, Zoom-Unterricht und geschlossene Kindergärten. Das Wohnzimmer ist das neue Büro und das Kinderzimmer die neue Schule. Und zwischendrin laufen kleine Bengel herum, die ihre Energie nicht ausleben können.

Erlebnispädagogen und Erlebnispädagoginnen dreht sich da der Magen um.

Auch wenn erlebnispädagogische Aktivitäten während der Pandemie nicht möglich sind, ist die Nachfrage da. Und sie steigt mit jedem Tag an. Erstens aufgrund der psychischen und physischen Belastung durch einem Lockdown nach dem anderen. Kein soziales Umfeld, keine Aktivitäten, keine Erlebnisse. Die Signifikanz von Klassenfahrten, Ferienlager, Betriebsausflüge, sie wird immer größer. Zweitens ist auch ein Umdenken in der Gesellschaft spürbar. Die Leute haben die Nase voll vom alleine zuhause rumsitzen. Es entsteht ein neues Bewusstsein über die Wichtigkeit von Natur, Aktivitäten und sozialem Miteinander. Abseits vom Internet. Denn der Mensch ist und bleibt ein natürliches Wesen. Gute Zukunftsaussichten also für die Pädagogik, aber speziell für die Erlebnispädagogik und dich als selbständigen Trainer.

Erlebnispädagogik und Selbstständigkeit. Beides Symbole der Freiheit. Verbindest du diese, kannst du von vielen Vorteilen profitieren. Das, was du durch deinen Beruf vermittelst, kannst du auch auf deinen Alltag anwenden. Du bist frei, unabhängig und kannst dein Leben nach deinen Bedürfnissen gestalten.

Wenn du dir des Risikos und der Eigenverantwortung bewusst bist, wird dir nichts dabei im Weg stehen, deine Träume zu verwirklichen. Wenn dir die Arbeit Spaß macht, dann wirst du jegliche Hürden mit Leichtigkeit überwinden. Denn die Arbeit wird einen großen Teil deines Lebens ausfüllen. Und der einzige Weg, wirklich zufrieden zu sein, ist das Bewusstsein, dass man großartige Arbeit macht. Und der einzige Weg, großartige Arbeit zu machen, ist, dass man liebt, was man tut.

 

Weiterführende Links:

Bundesverband für Erlebnispädagogik

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie – Erlebnispädagogik – Freiberufliche Tätigkeit

Wikipedia – Freier Beruf

Das Berufsbild der Erlebnispädagogen

Sandro

ehemaliger Marketing Praktikant
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