TZI- Themenzentrierte Interaktion nach Ruth Cohn

Die Themenzentrierte Interaktion wurde ab den 1950er Jahren von verschiedenen Vertretern der humanistischen Psychologie (der Pychologin und Psychoanalytikerin Ruth Cohn sowie den Therapeuten Norman Liberman, Yitzchak Zieman und Anderen) in den USA entwickelt. Die wohl bekannteste Vertreterin war Ruth Cohn. Laut ihr gilt es bei der Arbeit mit Gruppen vier Elementen zu berücksichtigen, nämlich das „Ich“, das „Wir“, das „Es“ (die Sache) und den „Globe“.
  • Mit dem „Ich“ ist die einzelne Person gemeint, die durch die Biografie oder die Ansprüche, usw. definiert wird.
  • Das „Wir“ bezeichnet die Gruppe, die sich durch ihre Ziele, ihrer Dynamik, usw. definiert.
  • Das „Es“, ist das Thema, die Aufgabe oder die Thematik, mit der sich die Gruppe auseinandersetzt.
  • Der „Globe“, bezeichnet das Umfeld in der sich die Gruppe befindet, bzw. die Rahmenbedingungen, die förderlich wie auch hinderlich sein können. Wir nennen dies auch „Setting“ und legen auf dieses nicht umsonst großen Wert….
Themenzentrierte Interaktion nach Ruth Cohn

Das „Ich“, das „Wir“ und das „Es“, sollten laut Ruth Cohn bildlich in einem gleichseitigen und Dreieck stehen (siehe oben die Abbildung), das für die dynamische Balance stehen soll. Das heißt, dass die Schwerpunkte gleichmäßig auf die Spitzen des Dreieckes verteilt werden soll.

TZI im pädagogischen Alltag

Was bedeutet das konkret im pädagogischen Alltag?

Übertragen auf unsere pädagogischen Settings bedeutet dies, dass es sowohl um das Thema oder die Sache (Inhalte) gehen darf. Gleichermaßen aber auch, dass das Individuum als solches Raum für sich benötigt, und ebenso der Gruppe ein Teil der Aufmerksamkeit zuteilwerden sollte. Wird einem dieser drei Elemente zu viel Zeit und Aufmerksamkeit beigemessen, kommen die anderen zu kurz. Geht es beispielsweise nur ums Thema (Matheunterricht?!), bleibt das Individuum wie die Gruppe auf der Strecke. Geht es nur um die Gruppe (weil es grade kriselt), ist kein Raum fürs eigentlich geplante Thema oder die aktuellen Bedürfnisse der einzelnen Individuen. Ruth Cohn stellt uns für den pädagogischen Alltag zusätzliche Grund- oder Leitsätze zur Verfügung:

Grundsätze der Themenzentrierten Interaktion

  1. Der Mensch ist gleicherweise autonom und interdependent, das heißt ein Individuum im „Großen Ganzen“, die beide voneinander abhängig sind. (Autonomie)
  2. Humanes Verhalten und Bedürfnisse beachten und Inhumanes ist oder kann bedrohend sein. (Wertschätzung)
  3. Entscheidungen sind von inneren und äußeren Grenzen bedingt. (Grenzen erweitern)

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Gruppenpädagogische Grundsätze

Hilfsregeln für den pädagogischen Alltag

  • „Sei Dein eigener Chairman“- sprich für Dich selbst (also als „Ich“ und nicht als „man)..
  • Wenn Du fragst dann beschreibe die Hintergründe Deiner Frage damit Du nicht falsch verstanden wirst
  • Sei DU, also echt und authentisch, verstelle Dich nicht uns sei ehrlich zu Dir und anderen
  • Vermeide Interpretationen von Anderen
  • Vermeide Verallgemeinerungen, denn diese unterbrechen Gruppenprozesse
  • Wenn Du über das Verhalten anderer sprichst beschreibe auch möglichst genau und wertfrei, was dieses Verhalten für Dich bedeutet oder ausmacht
  • Störungen haben Vorrang. Dies ist die wohl wichtigste und zugleich schulpädagogisch- paradoxeste Hilfsregel… Aber was im Raum ist ist im Raum und sollte gesehen werden. Dazu gehören Nebengespräche, persönliche Bedürfnisse oder Störungen von außen gleichermaßen, denn werden diese ignoriert beeinflussen sie das Geschehen dauerhaft und nachhaltig
  • Es spricht immer nur eine Person. Klar, weil wir uns immer nur auf eine Person konzentrieren können…
  • Wollen mehrere Personen sprechen braucht es eine Vorab- Kommunikation in Stichworten damit überhaupt klar ist, wer über was sprechen möchte
  • Nonverbale Kommunikation: Beachte die Signale und die Körpersprache anderer TeilnehmerInnen!

TZI bei N.E.W.

Für uns ist das TZI- Modell ein nützliches Tool wie gleichermaßen eine pädagogische Grundhaltung. Als „Tool hilft es uns beispielsweise in Momenten in denen wir überlegen wie es mit einer Gruppe in einem bestimmten Setting inhaltlich weitergehen kann (wo waren wir grade, um was ging es, und welches Element aus ICH- WIR- SACHE- kam bisher zu kurz?).
Als „Aushängeschild“ unserer pädagogischen Haltung sagt das TZI- Modell aus, dass es bei uns in unserer Arbeit nicht nur um ein bestimmtes Thema oder die Vermittlung von Inhalten geht. Denn wir wollen ganz bewusst auch auf alle einzelnen Individuen eingehen, den Gruppenprozess „auf dem Schirm“ haben und als relevant erachten, aber auch das gesamte Setting in unsere Planung, Beobachtung und Evaluation mit einbeziehen, ja, es sogar thematisieren und mitunter, z.B. in der ökologischen Bildung zum Thema werden lassen.

Kontakt und Infopaket Ausbildung Erlebnispädagogik
Zum Autor

Leif ist nunmehr offiziell über die Hälfte seines Lebens in der Erlebnispädagogik unterwegs. In der zweiten Hälfte der ersten Hälfte (Studium) durfte er mitunter leidvoll erfahren, dass es mehr Bücher als Zeit gibt. Daher und um dieses Verhältnis für die Nachwelt wieder zu ändern schreibt er hochambitioniert Zusammenfassungen von Zusammenfassungen. Und hofft dass deren Essenz dennoch erhalten bleibt…

Leif Cornelissen, Diplom- und Erlebnispädagoge
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