Visionssuche oder Vision Quest

Vision Quest oder Vision Fast (dt.: Visionssuche bzw. Visionsfasten) ist ein uraltes Übergangs- oder Initiationsritual. Übergangsrituale waren und sind weltweit in allen Kulturen bekannt. Es geht dabei darum, nach intensiver Vorbereitung mehrere Tage und Nächte alleine, ohne Schutz und Nahrung in der Natur zu verbringen. Die Erlebnisse werden nach der Rückkehr in gemeinsamer Runde erzählt und von den VisionssucheleiterInnen „gespiegelt“. Als Initiationsritual kann damit der Übergang von der Jugend ins reife Erwachsenenalter markiert werden. Als Übergangsritual von einer Lebensphase in eine nächste bietet eine Visionssuche Menschen allen Alters die Möglichkeit diese Übergänge bewusst, kraftvoll und tragend zu gestalten.

Die Form des „Vision Quest“ die wir durch Steven Foster und Meredith Little kennenlernen durften ist ein von nordamerikanischen Indianerstämmen tradierter Übergangsritus. Er wurde vor etwa 40 Jahren von Steven und Meredith (School of lost Borders, USA) für unsere Zeit und unsere Kultur wiederentdeckt und angepasst.

Visionssuche und Erlebnispädagogik

Ein jedes Übergangsritual weltweit folgt dem gleichen Schema von Ablösungszeit, Schwellenphase und Wiedereingliederung. Im Heldenmythos, in Märchen, alten Liedern und Sagen werden die tiefen Wurzeln von Übergangsriten in unserer Gesellschaft sichtbar. Zeitliche und kulturelle Grenzen lösen sich darin auf.

VIsion Quest als Initiationsritual

Das Ritual

Das Ritual besteht aus einer intensiven Vor- und Nachbereitungszeit sowie einer „Schwellenzeit“. In dieser geht es darum, mehrere Tage und Nächte alleine und fastend draußen in der Natur zu verbringen. Die Natur ist hierbei sowohl persönlicher Innen-Raum, als auch Spiegel in den der/die Visonssuchende schauen kann. Sie bietet Stille, Zeichen, Herausforderung, Tiefe, Licht und Dunkelheit. Es braucht dabei etwas Mut die Schwelle zu überschreiten und hinaus zu gehen. Aber ebenso wie der Held oder die Heldin im Märchen kehren auch wir reich beschenkt zurück.

Vision Quest bietet als Übergangsritual eine Unterstützung für Menschen, die sich an einem Wendepunkt in ihrem Leben befinden. Sie dient jedoch ebenso als Moment der Besinnung und Innenschau an jedem Punkt des Lebens.

Als Initiationsritual kann damit der Übergang von der Jugend ins reife Erwachsenenalter markiert werden. Als Übergangsritual von einer Lebensphase in eine nächste bietet es Menschen allen Alters die Möglichkeit diese Veränderung bewusst, kraftvoll und tragend zu gestalten. Übergänge können sich aus dem biologischen Lebensalter ergeben, ebenso aber auch aus den sozialen Lebensabschnitten wie Beginn oder Ende einer Partnerschaft, Eintritt in oder Austritt aus dem Berufsleben, berufliche Neuorientierung, oder auch durch Krisen wie Krankheit oder Tod naher Menschen. In diesem kraftvollen Ritual kann Altes sterben und das Neue, von dem wir nur ahnen, dass es bereits reif in uns ruht, in unser Leben hineingeboren werden.

Ablauf einer Visionssuche

In der Vorbereitung wird die Absicht geklärt, warum der Mensch sich für mehrere Tage alleine und fastend hinaus begeben möchte in die Natur. Dies wird unterstützt durch “Schwellengänge”. Diese machen gleichzeitig mit einer besonderen Art der Begegnung mit der Natur und dadurch mit sich selbst vertraut. Außerdem bedarf es einer Einführung zu allem, was Sicherheit und praktische Fertigkeiten in diesem Kontext verlangen. Die Schwellenzeit ist die Zeit alleine in der Natur. Diese dauert zwischen zwei und vier Tagen. Sie ist geprägt von den drei Tabus: keine Nahrung, keine Begleitung und keine Behausung. In der Nachbereitung spielen das Erzählen und das Spiegeln der Geschichte eine wichtige Rolle. Das Spiegeln ist eine besondere Technik. Sie dient dazu, das Erlebte von außen zu betrachten und es so in den persönlichen Zusammenhang besser einordnen zu können.

Allein in der WIldnis
Visionssuche dient persönlichem Wachstum

Aus einer Visionssuche gehen wir nicht nur persönlich reich beschenkt hervor, sondern wir bringen auch immer reiche Gaben für unsere jeweilige Gemeinschaft mit.

Vision Quest ist ein unglaublich wirkungsstarkes Ritual, um die Persönlichkeit eines Menschen an der Schwelle eines Lebensübergangs vorwärts zu tragen. Es ist aber auch gleichzeitig ein Ritual, das hilft, die Gemeinschaft zu stabilisieren.

Klassische Visionssuchen bedürfen als eines bestimmten Rahmens. Bei N.E.W. findet die Arbeit in “Miniaturform” aber nicht minder kraftvoll auch im Rahmen von Klassen- und Studienfahrten statt. Bei unserer Ausbildung Erlebnispädagogik widmen wir der Arbeit gar einen ganzen Block. Hier werden wir unterstützt von der erfahrenen Visionssucheleiterin Ute Maria Heilmann.

Zum Autor

Leif ist nunmehr offiziell über die Hälfte seines Lebens in der Erlebnispädagogik unterwegs. In der zweiten Hälfte der ersten Hälfte (Studium) durfte er mitunter leidvoll erfahren, dass es mehr Bücher als Zeit gibt. Daher und um dieses Verhältnis für die Nachwelt wieder zu ändern schreibt er hochambitioniert Zusammenfassungen von Zusammenfassungen. Und hofft dass deren Essenz dennoch erhalten bleibt…

Leif Cornelissen, Diplom- und Erlebnispädagoge
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